Chansonabend am LMG

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„Wir wollen Geschichten erzählen“, verkündete Jana Kühn beim Chansonabend am 20. November 2014 in der Aula des LMG. Und das tat sie zusammen mit Anton Kryukov, der die auf dem Bajans begleitete. 2003 machte die heute 31jährige ihr Abitur am LMG, sodass viele ehemalige und jetzige Lehrer kamen, um ihr zuzuhören. In dieser fast familiären Atmosphäre sang die Schauspielerin mit ihrer tiefen, fast rauchigen Stimme deutsche und französische Chansons z.B. von Edith Piaf oder gab Gedichte von Mascha Kaléko zum Besten. Auch Anton Kryukov spielte auf seinem russischen Instrument „Frieden“ wundervolle Soli und brachte so die Zuhörer zum Träumen. Vor allem der jazzig gespielte Titel „I’m yours“ von Jason Mraz begeisterte das Publikum.
Herr Durdel danke für „dem Moment des Glücks“, den die beiden Künstler auf der Bühne schufen. So vergaß jeder Anwesende das graue Novemberwetter zumindest für eine Stunde.
Nach dem Konzert hatte Jana Kühn Zeit für ein kurzes Interview.

SZ: Du hast drei große Themen angesprochen, Geschichten erzählen, das Meer und Liebe. Wovon träumst Du?

Jana: Ich träume von einer ganzen Menge Sachen. Wovon ich träume, ist, dass es hoffentlich nie aufhört mit dem Träumen. Was ich wirklich möchte… ich weiß nicht. Ich finde Träumen wichtig… Wovon träume ich? von allem Möglichen, vom Meer, von Liebe, von einem glücklichen Leben, von Leuten helfen, von Frieden, von Musik, von Familie. Träume im Sinne von, dass sich etwas erfüllt, was man sich sehr wünscht.

SZ: Wie bist Du zum Gesang und Schauspiel gekommen?

Jana: Das ist eine gute Frage. Das hat alles hier angefangen eigentlich. Ich habe sowieso schon immer gesungen. In der Musikschule habe ich erst Geige gelernt; damit fing das an. Hier gab es einen Chor, der dringend Unterstützung brauchte, ich bin hin und das hat so einen Spaß gemacht. Wir haben für diesen Chor Leute rekrutiert und sind hier rum gerannt: „Wer will mit in den Chor?“ Das war ein richtig cooler Chor für zwei Jahre, wir waren sehr gut unterwegs und das hat voll Spaß gemacht. Das habe ich dann immer so weiter gemacht. Morgens aufstehen und singen, abends singend in Bett gehen, so ungefähr. Mit dem Theater hat das eigentlich auch hier angefangen. In der sechsten Klasse habe ich ein Fauststück als Puppenspiel gesehen, fand das total geil und dachte, wenn ich auf Gymnasium komme, dann muss ich unbedingt was mit Theater machen. Dann kam ich hier an und es gab eine Theater-AG. Ich glaube Fr. Reichelt hat die sogar gemacht. Da haben wir Sketsche gespielt, so witzige Sachen. Ich dachte, nö, wenn das Theater ist, dann habe ich doch kein Bock auf Theater und habe das dann nicht weiter gemacht. Die Großen haben ja immer bei Herr Durdel schon Theater gemacht. In der zehnten Klasse hatten wir eine freie Theater-Gruppe bei ihm. Und ab der Elften durfte man das auch im Unterricht machen. Dann habe ich mich da beworben, bin auch genommen worden, konnte das dann aber nicht machen, weil das mit den Kursen nicht geklappt hat. Ich hatte ja Musik, Kunst und Deutsch und da durfte man nicht noch Theater machen. Ich habe es aber zusätzlich belegt. Eine beeindruckende Sache, die wir gemacht haben, die mich auch nachhaltig für meinen Beruf beeinflusst hat, war Elektra, mit der ganzen Darstellendes-Spiel-Klasse. Das war so geil, dass ich dachte, dass möchte ich den ganzen Tag machen, von Morgens bis Abends. Also, ich möchte da stehen und spielen nach meinem eigenen Kopf. Ja, das war’s. Mich verkleiden, in andere Rollen schlüpfen und andere Geschichten denken.

SZ: Ist das auch der Grund, warum Du zum Chanson gekommen bist?

Jana: Ich habe vorher musikalisch eher Rock, Pop, Jazz gemacht, mit Band und Klavier und allem. Das mache ich auch immer noch, habe dann aber für mich den Chanson entdeckt, weil da Musik und Theater für mich zusammen kommt, eben das, was mit total wichtig ist und wonach ich suche. Ich suche nach der Wahrheit. Wo fängt Wahrheit an, wie kann man sie greifen? Ehrlichkeit ist mir eine ganz wichtige Sache und Chansons sind musikalische Geschichten. Musik unterstützt eigentlich das Wort und das mag ich sehr. Eine schöne Verbindung.

SZ: Du hast eine Menge Projekte gemacht. Was ist Dir davon besonders in Erinnerung geblieben?

Jana: Das ist schwer, weil du jemanden fragst, der alles aus Liebe macht und ich liebe alle diese Projekte, die ich gemacht habe. Da kann ich mich jetzt schwer für eine Sache entscheiden. Ich kann vielleicht was von der Zukunft erzählen. Mit einem kleinen Salonorchester, das ist mit Streichern und Akkordeon und Percussions, werden wir im nächsten Jahr nach Namibia fahren und dort eine Konzertreise machen. Das ist ein Projekt, dass mir gerade sehr am Herzen liegt und ich hoffe, dass das dann klappt. Ich mache da auch Workshops mit jungen Leuten, wie ich das auch schon hier mache – Theaterworkshops geben und Musik mit denen machen. Das finde ich super, weil man da noch mehr das weitertragen kann, was man fühlt, was man denkt, auf andere Leute trifft und sich austauscht.

SZ: Welchen Tipp würdest Du aus deiner jetzigen Sicht jemandem geben, der später was mit Gesang und Schauspiel machen möchte?

Jana: Ich würde sagen, mach es nicht, wenn du nicht wirklich Bock drauf hast und das nicht wirklich deine Leidenschaft ist, weil es auch schwer ist. Aber wenn es wirklich deine Leidenschaft ist, dann lohnt es sich zu kämpfen. Einen Tipp noch, dass man nicht immer auf alles hören sollte, was andere Leute einem sagen, ob man gut ist oder was man da macht. Man soll das schon für sich annehmen, aber man soll dran denken, dass jeder sein eigener Mensch ist. Wenn es das ist, was du willst, dann verfolge das. Dann mache das.

SZ: Was wärst Du geworden, wenn Du nicht Schauspielerin und Sängerin geworden wärst?

Jana: Was wäre ich geworden? Ich kann ja mal sagen, was ich mir vorstelle, noch zu werden. Ich kann mir eine Menge vorstellen, weil ich sehr vielseitig bin. Ich wäre auch gerne Kindergärtnerin. Oder in Afrika am Stand in irgendeiner Bar arbeiten und den Leuten Cocktails mixen – nein, das würde ich nicht machen, Cocktails nicht. Rumreisen eigentlich. Verreisen – aber was mit Tourismus machen ist auch doof… Also, ich bin schon richtig, da wo ich bin, weil der Weg das Ziel ist. Das ist wichtig. Und mein Weg ist für mich jeden Tag toll – auch scheiße, aber auch toll, beides und das ist gut so… Was wäre ich geworden? Vielleicht Papst, (lacht) Päpstin.

Das Interview führten Ella Wietheger und Annegret Udke

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