Interview: Herr Tournay

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Mit diesem Artikel startet unsere neue Serie, in der wir möglichst viele Lehrer interviewen wollen. Wir wollen versuchen, jeden Monat zwei Interviews hochzustellen. Wenn ihr Wünsche habt, welche Lehrer wir interviewen sollen, dann schreibt diese bitte in die Kommentare.
Unser erstes Interview durften wir mit dem Philosophie-, Geschichts- und Deutschlehrer Herrn Tournay führen.
Viel Spaß beim Lesen!

SZ: Wollten Sie schon immer Lehrer werden?

H.Tournay: (lacht) Ich glaube, das hat sich ergeben, als ich einen hervorragenden Deutschlehrer hatte, da haben mir diese Fächer Deutsch und Geschichte sehr viel Spaß gemacht. In erster Linie wollte ich dann eigentlich erstmal diese Fächer studieren, fand dann aber auch die Art, wie der Lehrer das gemacht hat, ganz großartig. Der war ein richtiges Vorbild für mich.

SZ: Was waren Ihre Lieblingsfächer?

H.Tournay: Also Deutsch war schon ein Lieblingsfach, das muss ich sagen, weil wir da auch viel gelesen und sehr viel diskutiert haben, das war für mich als Schüler immer anregend und spannend. Dann hatte ich noch einen Englisch Leistungskurs. Den habe ich deshalb gewählt, weil ich auch ein Jahr lang in Amerika war. Ja was war mein Lieblingsfach? Also Geschichte, Englisch und Deutsch, die fand ich immer schon Klasse! Biologie hat mir auch Spaß gemacht, aber doch mehr Sprachen und Literatur als die sogenannten harten Wissenschaften wie zum Beispiel Physik.

SZ: Was hatten Sie früher für eine Note in Deutsch und Geschichte auf dem Zeugnis?

H.Tournay: Ja 2 oder 1 war es schon. Immer 1 war es nicht! Ne ne, da waren die Lehrer sehr streng.

SZ: Nennen Sie eine Stärke und eine Schwäche, die Sie haben!

H.Tournay: (Seufzt) Die Schwäche ist wahrscheinlich meine Ungeduld. Meine Stärke ist, glaube ich, die Überzeugung, meine fachliche Kompetenz und den Wunsch, dass ich den Schülern etwas beibringen möchte.

SZ: Wie sieht der perfekte Lehrer Ihrer Meinung nach aus?

H.Tournay: Es gibt keinen perfekten Lehrer, den kann es gar nicht geben. Perfektion gibt es nur bei Maschinen, die gibt es nicht bei Menschen. Ich glaube, dass du also, um den Lehrerberuf jetzt aufzugreifen, mehrere Jahre brauchst, noch nach dem Referendariat, damit du es richtig kannst. Also du musst schon irgendwie so rüberkommen, wie du als Person wirklich bist, das ist sehr wichtig für den Beruf und das Unterrichten muss einem wirklich Spaß machen, da darf keine Langeweile dahinter sein. Man muss auch lernen, wie man mit Schülern unterschiedlicher Altersgruppen spricht, das ist schwierig das braucht seine Zeit. Ja und dann lernen, wie man auch mit Konfliktsituationen umgeht, wie behandle ich die Schüler, die sehr verschieden sind. Ich muss verschiedene Anforderungen stellen. Das spüre ich als Lehrer auch, ob die Stundenarbeit in der Klasse vorangeht oder nicht vorangeht. Da muss ich immer auch selbstkritisch sein. Ich versuche selbständig mit den Schülern Wege zu finden, wie ich Probleme lösen kann. Das ist so eine Erfahrungssache, die wächst mit der Zeit und da ist kein fertiger oder perfekter Lehrer. Und das ist das spannende am Beruf des Lehrers, du kannst so lange, wie du willst, in dem Beruf sein, es wird nie langweilig. Denn du hast immer neue Klassen, immer wieder neue Menschen. Du kannst 20-mal französische Revolution machen und das 21-mal ist es genauso spannend wie beim ersten Mal.

SZ: Sind sie ein perfekter Lehrer?

H.Tournay: Oh nein, ganz und gar nicht, nein ich bin sehr selbstkritisch und nein ganz im Gegenteil. Also Perfektion kann und soll es auch gar nicht geben. Wenn es sie gäbe, dann würde ich mich ja ins Bett legen und gar nichts mehr machen (lacht). Wenn ich nicht mehr unzufrieden wäre, mit dem, was ich mache, dann hätte ich ja gar keinen Stachel mehr, mich zu verbessern. (lacht) Dann wäre ich ja nicht mehr Tournay. Ne, ne ganz und gar nicht. Sagen wir mal so, ich fühle mich sicherer als in den ersten Jahren des beruflichen Lebens. Aber ob ich jetzt von mir behaupten würde, dass ich dabei bin, mich in Richtung Perfektion hin zu verbessern (lacht), das würde ich nicht sagen.

SZ: Wie stellen Sie sich die perfekte Klasse vor?

H.Tournay: Auch da gibt es natürlich keine Perfektion, das ist auch etwas, was immer in Bewegung ist, was sich immer entwickelt. Das geht mal rauf mal runter. Im großem und ganzen sollte es aber rauf gehen. Also die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer sollte sich verbessern. Meistens gelingt mir das auch, würde ich behaupten. Es kommt aber auch vor, dass es mir nicht gelingt, da ist dann einfach, wie man so schön sagt, die Dynamik zwischen der Gruppe und mir nicht so, dass es auf zumindest einem gleichbleibenden Niveau bleibt und das finde ich dann schon relativ frustrierend. Da bin ich dann auch ehrgeizig, das zu bessern.

SZ: Wie stellen Sie sich einen guten Unterricht vor?

H.Tournay: Das ist so kompliziert und komisch. Es gibt verschiedene Altersgruppen, verschiedene Fächer und danach muss man sich richten. Und es gibt große und kleine Lerngruppen. Das ist sehr vielfältig, je nachdem, worauf man da gerade trifft. Der gute Unterricht in der Sekundarstufe I ist ein angeleiteter Unterricht, wo Schüler dann immer mehr bis zur 10. Klasse in die Lage versetzt werden sollen, selbstständig zu arbeiten und ihre Interessensgebiete nicht nur zu erkennen sondern auch auszubauen und überwiegend mit Freude etwas zu Hause zu tun. Also nicht, so dass man sich immer an den Schreibtisch quälen muss, um da was zu machen. Sondern der Schüler denkt, ich bin neugierig darauf zu erfahren, wie das weitergeht, ich möchte das gerne wissen. Also, wenn ich diese Einstellung hinkriege bei einigen Schülern in der Sekundarstufe I von der 7. bis zur 10. Klasse, dann ist das ein Zeichen für guten Unterricht.

SZ: Wie sieht für Sie eine gute Unterrichtsstunde aus?

H.Tournay: Ja, eine gute Unterrichtsstunde hat meines Erachtens einen Spannungsbogen und jede Stunde hat eine Grundidee. Ein Lernziel, das erreicht werden sollte. Wenn das gut läuft, ist das so, dass die Schüler am Anfang der Stunde zum Beispiel mit einem zum Thema passenden Bild motiviert werden, um sich mit dem Thema zu befassen. Dann gibt es immer Arbeit am Text, also man muss etwas lesen und das auch verstehen. Das muss fixiert werden, zum Beispiel an der Tafel, und es müssen dann sachliche Zusammenhänge selbstständig von den Schülern hergestellt werden in der so genannten „Erarbeitungsphase“. Außerdem gehören zu einer guten Stunde auf jeden Fall eine Diskussion dazu und außerdem noch die Beziehung zu unserer Zeit und zu unseren aktuellen Fragen dazu.

SZ: Wenn Sie eine Sache im brandenburgischen Schulsystem ändern könnten, welche wäre das?

H.Tournay: Gute Frage, danke für die Frage. Ich würde auf jeden Fall wieder das 13. Schuljahr einrichten, das heißt, wir hatten vorher G9, so hieß das, also wir hatten ein Jahr mehr in der gymnasialen Oberstufe. Und die 11. Jahrgangsstufe wurde darauf verwendet, dass man eine Orientierung bekam, über das, was in der Oberstufe von euch verlangt wird und das war für die Schüler sehr gut und für die Lehrer auch, fand ich, denn das Arbeiten in der Oberstufe ist schon etwas anderes. Und da hatte man dann auch Luft und Zeit etwas auszuprobieren. Was ich ändern würde? Ich würde eigentlich diese ganze Reform rückgängig machen! Es gab damals viel mehr Möglichkeiten, Wahlmöglichkeiten. Es gab Leistungskurse und Grundkurse, das ist aufgehoben. Wir haben heute zum Beispiel in den Kernfächern wie Deutsch alle Schüler zusammengepfercht in einem Kurs. Die Kurse sind zu groß und deswegen ist das Arbeiten auch weniger intensiv. Wenn die Lerngruppe kleiner ist, läuft es immer besser und du hast natürlich die Schüler in den Kursen, die keine Lust haben auf dieses Fach, die wären besser in einem Grundkurs aufgehoben. Letztlich finde ich die Reform, die vor einigen Jahren beschlossen wurde ganz, ganz schlecht. Ich wüsste nicht, was ich daran gut finden sollte. Die Stunden sind weniger, die Kurse sind größer geworden, die Wahlmöglichkeiten sind eingeschränkt für alle Schüler. Zusammenfassend muss ich sagen, dass darunter die Qualität des Unterrichts leidet.

SZ: Vielen Dank!

H.Tournay: Bitte! Gerne!

Ella Wietheger&Ronja Kusch

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3 Kommentare

  1. Anike Kühn on

    Wer unbedingt interviewt werden muss: Frau Kirsch! Sie ist meine Klassenlehrerin…