Über den Tellerrand schauen

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Die jüngsten Ereignisse vom 13. November in Paris sind uns allen noch im Gedächtnis; Zwischen 21 und 22 Uhr verübten Mitglieder der Terrororganisation IS (Islamischer Staat) an fünf Orten innerhalb von Paris und an drei Orten im Vorort Saint-Denis Selbstmordattentate und/oder schossen mit vollautomatischen Waffen um sich. Zusätzlich versuchten 3 Attentäter sich Zutritt zum Fußballstadion Stade de France zu verschaffen, als sie jedoch von den Sicherheitskräften entdeckt wurden sprengten sie sich auf der Straße in die Luft, glücklicherweise ohne Opfer zu fordern. Die anderen Attentäter jedoch hatten ihr Ziel erreicht und so kamen rund 140 Pariser an diesem Tag zu Tode.

Unmittelbar nach dem Anschlag waren die Medien überrascht zu sehen, dass auf diversen Social-Media Netzwerken wie Twitter oder Facebook Anteilnahme wie durch den #prayforparis Hashtag oder Profilbilder in den französischen Nationalfarben gezeigt wurde. Und während einige den Sinn dahinter hinterfragen, stellt sich gleichzeitig auch die Frage weshalb die Welt nur bei dieser Anschlagsserie Anteilnahme zeigt wo fast täglich in Syrien oder Afrika Menschen ebenfalls durch grausame Anschläge sterben. Wo bleiben da die #prayforsyria Hashtags? Die Wahrheit ist, die meisten solcher Geschehnisse geraten meist schnell in Vergessenheit oder werden von den Medien hier nicht für würdig erachtet um darüber ausführlich zu berichten. Zum Beispiel der  Absturz des Kogalymavia-Flugs 9268 über der Sinai-Halbinsel bei dem knapp mehr als 100 Menschen mehr als in Paris zu Tode kamen und zu dem sich ebenfalls der IS bekannte wurde bestenfalls flüchtig in den Medien behandelt. Liegt es daran dass die Opfer diesmal nicht Mitglieder der EU waren?

Ebenfalls ein Beispiel ist der Anschlag auf die Redaktion des Magazins Charlie Hebdo am 7. Januar, bei dem 12 Menschen aus der Redaktion und Passanten ums Leben kamen. Über diesen Anschlag wurde lang und ausführlich berichtet und das Thema wurde noch Wochen später von den Medien aufgegriffen. Doch gerade einmal 3 Wochen zuvor fand der größte Anschlag in der pakistanischen Geschichte statt, bei dem Taliban-Mitglieder in eine Schule eindrangen und rund 150 Menschen töteten. Dieser Anschlag wurde in den Medien nicht eines Wortes gewürdigt: Keine Schlagzeilen, keine Schweigeminuten, nichts. Oder auch die diversen Anschläge von Boko Haram die in Afrika brutal Menschen im Namen des Islam töten und foltern blieben bisher stets unbeachtet, bis zum 15. April als sie in eine nigerianische Schule eindrangen und 234 junge Mädchen entführten. Diese Geschehnisse wären ebenfalls unbeachtet geblieben, hätte nicht die First Lady der USA, Michelle Obama, in sozialen Netzwerken mit #bringbackourgirls darauf aufmerksam gemacht.

Ich verlange nicht, dass über jeden einzelnen Terroranschlag berichtet wird, ich will nur, dass die Leute bevor sie mit dem Strom schwimmen und Hashtags teilen daran denken dass es Leute gibt die solche Anschläge regelmäßig ertragen müssen. Diese Leute sollten sich fragen ob sie „Anteilnahme“ zeigen und Hashtags teilen wollen oder wirklich helfen oder sich wenigstens richtig informieren.

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